Vom Einzelkämpfer aus poetologischer Sicht

Ein Humanist, Mahner und Schlichter,
seine Weisheit steht in keiner Kartei,
und so warten alle auf den Dichter,
den neuen Bundeskanzler ohne Partei.

Moral und Anstand sind nicht dasselbe!
Den Blauen fehlt es noch an Reife,
doch Schwarze, Rote, Grüne, Gelbe
raucht er zum Frühstück in der Pfeife.

Mit Angie geht er manchmal shoppen,
die Wirtschaft setzt komplett er unter Strom,
mit Donald fachsimpelt er vom Poppen
auf der Audienz beim Papst in Rom.

Die Armut gibt dem Reichtum Klinke,
die Umwelt entkeimt er per Dekret,
Frauenrechte haben dann auch Linke,
er zeigt den Drogen, dass es ohne geht.

Die Schönheit wird zum Bürgerpflichter,
er fördert Jugend wie die Kuns,
und schon die Menge jauchzt dem Dichter:
Wann endlich nun erscheinst Du uns?

Nie! Denn unter diesem Teamgeschleime
tut sich sein Charakter winden,
doch wahrhaft Geniales wie diese Reime
kann kein Kollektiv erfinden.

Imitation als Lernakt bleibt niemand erspart,
für’s Krähaartiefsein ist’s dann meist zu spät:
Denn die wahrhaft’ge Krise der Gegenwart
heißt Pseudointellektualität.

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Datum: Donnerstag, 23. November 2017 12:33
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